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Der '''Geburtstag''' (gehoben: '''Wiegenfest''') bezeichnet den Jahrestag der Geburt oder den tatsächlichen Tag der Geburt einer Person. Mit dem ''ersten Geburtstag'' ist der erste Jahrestag der Geburt gemeint.

Ein weit verbreiteter Brauch ist es, seinen Geburtstag mit Freunden und Verwandten zu feiern. Bei Kindern sind zusätzlich zu der Feier mit Verwandten Kindergeburtstage üblich. In vielen Ländern ist es außerdem verbreitet, die Person zu beschenken. Genauso gibt es auch den Brauch, dass eine Person an ihrem Geburtstag anderen etwas schenkt. Ein weiterer stark verbreiteter Geburtstagsbrauch ist, einen Kuchen oder eine Torte mit genau der dem Geburtstag entsprechenden Anzahl an Kerzen zu verzieren.

Es ist üblich, einer Person zum Geburtstag zu gratulieren oder ein Geburtstagslied zu singen. In vielen Teilen der Welt ist das englische Lied ''Happy Birthday'' verbreitet. Sollte es nicht möglich sein, persönlich zu gratulieren, ist es als Geste der Aufmerksamkeit üblich, per Post, Telefonat, E-Mail oder SMS-Nachricht einen Geburtstagsgruß zu übermitteln. Während es in Deutschland angeblich Unglück bringt, vor dem Geburtstag zu gratulieren, ist in manchen Regionen Österreichs der Glückwunsch und die Feier am Vorabend üblich.

Besondere Geburtstage sind die Volljährigkeit oder runde Geburtstage (z.?B. 30., 50., 75., ?), zu denen es unter Umständen regional weitere, spezielle Bräuche gibt. Dazu gehören beispielsweise der Schachtelkranz bzw. Sockenkranz zum 25. Geburtstag oder das Domtreppenfegen zum 30. Geburtstag.

Der Begriff ''Geburtstag'' wird auch im übertragenen Sinne für ''(Gründungs-)Jubiläum'' (einer Firma, einer Institution, eines Bauwerkes usw.), z. B. "Hafengeburtstag", verwendet; die Gründung, Errichtung oder Eröffnung wird in diesem Fall als "Geburt" aufgefasst.

Herkunft

Kulturhistorisch geht der moderne Brauch der Geburtstagsfeier auf die frühe Hochkultur des : ''Römische Religionsgeschichte.'' (= Handbuch der Altertumswissenschaft. 5, 4). München 1960, S. 313f.</ref>

Nicht zuletzt wegen seiner Bedeutung in der Astrologie konnten der Geburtstag und an ihm vorkommende besondere Ereignisse mit zahlreichen mystisch-magischen Vorstellungen über deren Vorbedeutung für das Schicksal des Betroffenen mit entsprechendem apotropäischen (?abwehrenden?) oder Brauchtum bzw. Ritualen verbunden sein. Das Judentum stand und steht dem Geburtstagsbrauchtum ablehnend gegenüber und so auch das frühe Christentum, bald wurde es jedoch im kirchlichen ?Hochfest der Geburt des Herrn? (lat. ''Sollemnitas in nativitate Domini'', "Weihnachten") integriert. Bis in die internationale Gegenwartskultur hinein hat sich verschiedenes Geburtstagsbrauchtum erhalten und weiterentwickelt (symbolische Geburtstagsgaben, Geburtstagskerzen, Geburtstagskuchen usw.).<ref name="Stuiber">Vgl. Stuiber: ''Geburtstag.'' Kummer: ''Geburtstag.''</ref>

Im Christentum

Die Christliche Bibel erwähnt Geburtstagsfeiern an lediglich drei Stellen explizit, eine davon in dem zu den Spätschriften des Alten Testaments gehörenden 2. Buch der Makkabäer, jeweils begangen von gottfeindlichen Herrschern:
Nach manchen christlichen Auslegern gebe es auch eine positive Erwähnung von Geburtstagsfeiern in der Bibel:
  • die ?Tage? der Söhne des Ijob, nach denen Ijob ?der kein Jude war? zur Heiligung seiner Söhne jedes Mal Opfer bringt, für den Fall, dass diese sich während des veranstalteten Festmahls versündigt haben ().

Im entstehenden Christentum wurde der ''Geburtstag Christi'' schon früh gefeiert. Er ist heute als im 4. Jahrhundert ist der 6. Januar als kirchliches Geburtstagsfest Christi belegt. Die armenische Kirche hält bis heute am Festtermin vom 6. Januar fest.

Im christlichen Raum kamen Geburtstagsfeiern dann allmählich seit dem 4./5. Jahrhundert auf, zunächst für die teils vergöttlichten (''divus'') Kaiser sowie für Personen des christlichen Kultus wie Maria und Johannes den Täufer. Wichtiger für die kultische Praxis war aufgrund der Tradition der Verehrung von todesbereiten Glaubenszeugen, der sogenannten Märtyrer, der Todestag, der ? als Eintritt in das wahre, ewige Leben interpretiert ? oft als Geburtstag (''dies natalis'') bezeichnet wurde. Bis ins 19. Jahrhundert bleiben private Geburtagsfeiern vereinzelt und begegnen allenfalls in höheren Gesellschaftsschichten. Die Feier des Geburtstags verbreitete sich zunächst eher in protestantischen Gebieten, während im katholischen Raum bevorzugt der Namenstag gefeiert wurde. Erst in jüngerer Zeit hat sich auch unter Katholiken die Feier des Geburtstages durchgesetzt.

Das Weihnachtsfest kann als Geburtstagsfest gesehen werden: Nach der Tradition vieler christlichen Kirchen wird am 25. Dezember bzw. am 6. Januar das ?Hochfest der Geburt des Herrn? gefeiert. Außerdem wird in verschiedenen christlichen Kirchen an Pfingsten traditionell der ?Geburtstag der Kirche? gefeiert.

Die christliche Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas lehnt unter Berufung auf die Praxis der frühen Christen das Feiern von Geburtstagen einschließlich des Weihnachtsfestes in jeglicher Form ab.

Im Judentum

Die einzige Erwähnung einer Feier zum Gedenken an den Tag der Geburt in der behandelt.

Die Bar Mizwa 13-jähriger jüdischer Jungen oder Bat Mizwa für 12-jährige jüdische Mädchen ist vielleicht die einzige jüdische Feier, die oft im Zusammenhang mit einem kalendarischen Geburtstag stattfindet. Bar und Bat Mitzwa bezeichnet sowohl den Status als auch den Tag und die Feier, an dem die religiöse Mündigkeit, d.?h. die Erlangung religiöser Reife nach jüdischem Recht, eintritt. Trotz moderner Feiern, bei denen ein säkulares "Geburtstag"-Element den religiösen Ritus überschatten kann, ist das Wesen einer Bar Mizwa oder Bat Mizwa Feier religiösen Ursprungs. Am 13. oder 12. Geburtstag wird das jüdische Kind ein ''Bar Mizwa'' (?Sohn des Gebots?) oder eine ''Bat Mizwa'' (?Tochter des Gebots?) und eine mögliche Feier kann an diesem Kalendertag oder an jedem Datum danach stattfinden.

Im Islam

In manchen konservativen Strömungen des Islam gilt das Feiern von Geburtstagen als christlicher oder vermeintlich jüdischer Brauch, der für Muslime verboten sei.<ref name="islamins-4352806366"></ref>). Der Großteil der muslimischen Gemeinde sieht den Nutzen darin, dass die Muslime an die Geburtsgeschichte des Propheten erinnert werden und ihren Glauben dementsprechend stärken.

In anderen Strömungen des Islam wird diese Einstellung nicht geteilt. So wird im schiitischen Iran der Geburtstag der Tochter Mohammeds, Fatima bint Muhammad, als Muttertag zelebriert.
Dessen Datum nach dem Bürgerlichen Kalender ändert sich von Jahr zu Jahr:

{|class="wikitable"
|-
! Jahr
! Bürgerlicher Kalender
|-
| 2018
| 9. März
|-
| 2019
| 25. Februar
|-
| 2020
| 15. Februar
|-
| 2021
| 4. Februar
|}

Geburtstage von Staatsoberhäuptern

Viele Länder haben den Geburtstag ihres Monarchen zum allgemeinen Feiertag erklärt. Wenn der Geburtstag in eine Jahreszeit fällt, in der die Regenwahrscheinlichkeit hoch und die Temperaturen niedrig sind, wird der Feiertag oft in eine angenehmere Zeit des Jahres gelegt.

Bis zum Abdanken von Königin Beatrix der Niederlande beging man beispielsweise den Koninginnedag, ihren offiziellen Geburtstag, am 30. April, dem Geburtstag ihrer Mutter Juliana, obwohl sie selbst am 31. Januar geboren wurde. Ihr Sohn und Nachfolger Willem-Alexander ist am 27. April geboren, so dass der Koningsdag nun um drei Tage vorverlegt wird und somit der wahre Geburtstag und das Datum des amtlichen Feiertags wieder übereinstimmen werden.

Im Commonwealth of Nations wird der Geburtstag des Monarchen in jedem Mitgliedsstaat unterschiedlich begangen, je nach Klima und der Lage anderer Feiertage im Kalender. Die Militärparade Trooping the Colour zu Ehren des königlichen Geburtstages wird seit jeher im Juni (i. d. R. am zweiten Samstag im Juni) abgehalten.

Auch die Diktaturen des 20. Jahrhunderts verzichteten selten auf die öffentliche Feier des Geburtstages des jeweils herrschenden Machthabers als identitätsstiftendes sowie von kommunistischen Gruppen in aller Welt eine bedeutende Rolle.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

Literatur

  • , 3. Auflage, Bd. 4 (2009), Sp. 335.
  • Claudia Englhofer: ''Geburtstag.'' In: Der Neue Pauly, Bd. 4 (1998), Sp. 843?845.
  • Stefan Heidenreich: ''Geburtstag. Wie es kommt, dass wir uns selbst feiern''. Hanser, München 2018, ISBN 978-3-446-25841-9 (Rezension)
  • Kummer: ''Geburtstag.'' In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 3 (1930/1931), Sp. 422?424.
  • Jörg Rüpke: ''Dies natalis, dies depositionis: Antike Elemente in der europäischen Gedächtniskultur''. In: Rudolf Helmstetter / Holt Meyer / Daniel Müller Nielaba (Hg.): Schiller: Gedenken ? Vergessen ? Lesen. München: Fink 2010, S. 201?213.
  • , Bd. 9 (1976), Sp. 217?243.